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„Leben nach dem Überleben“: Ausstellungsbesuch des evangelischen Religionskurses der Q2

Leben nach dem Überleben Ausstellungsbesuch des evangelischen Religionskurses der Q2Peter Schilling vom Verein „Spuren finden“ begrüßte am späten Dienstagnachmittag den evangelischen Religionskurs der Q2 mit ihrer Lehrerin Frau Husmeier zu einer Führung in der LWL Bürgerhalle Münster zu der Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ — eine Serie von Bildern und Zitaten von Überlebenden des Holocaust und ihren Familien.

Auf eindrucksvolle Weise wird von dem Umgang mit einer solchen Vergangenheit erzählt und die Auswirkungen der Erfahrungen auf die Gegenwart dargestellt. Die Ausstellung gibt nicht nur einen Einblick in den Lebenswillen, den Trotz und die Überzeugung der Menschen zum Zeitpunkt ihrer Verfolgung und Inhaftierung, sondern sie hält auch späte Momente von Glück und Trost fest, die nach dem Überleben gefunden werden konnten.

Die Galerie der Bürgerhalle wurde umrahmt von zehn überlebensgroßen Fotographien von Münsteranern, die durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten fliehen mussten. Einige von ihnen kehrten zurück, während andere ein neues Leben in den Niederlanden, Südamerika oder Israel gefunden haben.

Im Schatten dieser Zeitzeugenporträts stellte Schilling die Organisation „Amcha“ vor, in dessen Auftrag die Collage erstellt wurde und erklärte, wieso es von Bedeutung sei, Überlebenden zuzuhören, Betroffene aufzuklären und Generationen zu verbinden. Dabei übernimmt „Amcha“ eine tragende Funktion. „Amcha“ bedeutet „Einer von uns“ und somit nimmt die Organisation Bezug auf das Erkennungszeichen der Juden, die nach dem Krieg nach Israel auswanderten, in der Hoffnung einen Neubeginn zu finden. Um sich am Bahnhof zu erkennen, als sie in dem fremden Land ankamen, fragten sie sich: „Amcha?“.
Nun hat sich jene Organisation in dieser Tradition gegründet und bietet Nachkommen eine Möglichkeit, die Hintergründe der Verhaltensweise ihrer Eltern oder Großeltern kennenzulernen und ihnen näherzukommen. Ein Zitat bestätigt: „Ich habe meine Mutter nie verstanden, bis ich zu Amcha gekommen bin.“
Leben nach dem Überleben Ausstellungsbesuch des evangelischen Religionskurses der Q2 IIDie Ausstellung ist wie ein labyrinthischer Weg aufgebaut und wird durch die Fotos und Zitate lebendig. Er beginnt mit dem Holocaust, was die Menschen gehört, gesehen und selbst erfahren haben. „An meinem Geburtstag wurde meine Familie deportiert.“ Der Weg führt weiter in das Zentrum der Erinnerungskonstellation, zu den Traumata, die das Überleben für immer bestimmen werden. Was macht man mit der wiedergewonnen Freiheit? Wie sieht die individuelle Aufarbeitung aus? Doch ganz im Sinne der Lebensphilosophie einer Zeitzeugin geht das Leben weiter „solange ich sagen konnte: ´Es kann mir schlechter gehen`“. Der Gang lenkt den Betrachter jetzt ins Freie und zeigt so auf wirkungsvolle Weise das Nach- und Weiterleben.

Der Kurs war sich einig, dass die Ausstellung eine wertvolle Erfahrung war aufgrund ihres Charakters und den neuen Perspektiven, die zum Nachdenken angeregt haben. Trotz des ernsten Themas wurden farbenfrohe Fotos ausgewählt mit einem Auge für das Detail. Dies öffnete dem Besucher Zugänge, die andernfalls womöglich verschlossen geblieben wären. Das Thema wurde zur Gegenwartsfrage, da die Betroffenen in der Ausstellung selbst zu Wort kommen. Es werden Antwortmöglichkeiten gegeben, wie man mit den Spuren einer immer noch präsenten Vergangenheit umgehen sollte.

Johannes Reilly, Q2

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